Norwegen ist Europas Nr.1 im Bereich Elektroautos - Holt der Rest Europas auf?

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Jüngsten Zahlen zufolge besitzt Norwegen derzeit die meisten Elektrofahrzeuge in Europa. Tatsächlich entfielen im vergangenen Jahr mehr als 33% der Neuzulassungen auf Plug-in-Elektrofahrzeuge, und Norwegen hat sogar den größten Anteil an Elektrofahrzeugen weltweit. Andere Länder, wie Frankreich und Deutschland, haben sich Ziele gesetzt, um ein ähnliches Niveau bei der Akzeptanz von Elektroautos zu erreichen. Doch wie ist Norwegen zum Marktführer von Elektroautos geworden und wird der Rest Europas aufholen?

Norwegens frühe Beziehung zu Elektrofahrzeugen

Das norwegische Interesse für grüne Autos begann bereits in den 1980er Jahren, als das Land seine berühmte Pop Band A-ha zur Promotion von Elektroautos einsetzte. Mitte der 90er Jahre hatte der norwegische Elektroauto-Hersteller PIVCO während der Olympischen Winterspiele in Lillehammer 10 Elektroautos erfolgreich im Einsatz und das Bewusstsein für Elektro- und Hybridfahrzeuge in Norwegen begann deutlich zu wachsen. Zu diesem Zeitpunkt begann die norwegische Regierung, es für die Norweger einfacher und attraktiver zu machen, ein eigenes Elektroauto zu besitzen und zu betreiben. Beispielsweise sind Elektroautos von der jährlichen Kraftfahrzeugsteuer, allen öffentlichen Parkgebühren und Mautgebühren befreit und haben zusätzlich den Vorteil, dass sie auf Busspuren fahren dürfen. Diese Anreize wurden bis zum Ende 2017 bzw. bis zum Erreichen des Ziels von 50.000 Elektroautos geplant anzubieten – jedoch wurde dieses Ziel bereits im Jahr 2015 durch die steigende Nachfrage erreicht. Mit zunehmender Beliebtheit von Elektrofahrzeugen rückten die Ladestationen in den Fokus. Oslo startete 2008 als eine der ersten Städte der Welt sein erstes kommunales Elektroauto-Ladeinfrastrukturprogramm, welches Norwegen in Bezug auf die Elektroauto-Infrastruktur weit vor seine europäischen Nachbarn platziert hat.

Wie sieht es mit anderen europäischen Ländern aus?

In Europa gibt es viele andere Länder die danach streben ebenso zukunftsorientiert wie Norwegen zu sein. Großbritannien beabsichtigt beispielsweise, bis 2020 1.700.000  Elektrofahrzeuge auf den Straßen zu haben, was 5% aller britischen Autos entspricht. Die Niederlande streben eine Zahl von 1.000.000 bis 2025 an. Viele Länder gehen Verpflichtungen zur Emissionsreduzierung ein – die Niederlande sind sogar ein Land, das sich als Ziel das Verbot des Verbrennungsmotors in 10 bis 15 Jahren gesetzt hat. Selbstverständlich gibt es in Europa auch Länder, die bei der Einführung von Elektroautos und dem Aufbau der erforderlichen Infrastruktur nicht ganz so gut abschneiden. Beispielsweise hatte der Plug-in-Markt in Estland 2017 nur einen Anteil von 0,2% am Neuwagenabsatz, in Dänemark waren es 0,4%. Dies ist sehr niedrig im Vergleich zu Norwegen, wo die Zahl im Jahr 2017 bei 33%.   pasted image 0-1

Ladeinfrastruktur als Schlüsselfaktor für die Attraktivität von Elektrofahrzeugen

Norwegen hat früh erkannt, dass eine ausgedehnte Ladeinfrastruktur der Schlüssel dafür ist, dass Elektrofahrzeuge in großem Umfang von norwegischen Verbrauchern gekauft und genutzt werden können. Andere Länder investieren ebenfalls stark in die Ladeinfrastruktur, beispielsweise hat Großbritannien das Electric Vehicle Homecharge Scheme und das Plugged-in Places Program eingeführt, um die Entwicklung der lokalen Ladeinfrastruktur zu unterstützen. Frankreich hat 50 Millionen Euro in die Finanzierung von Ladestationen investiert und die Entwicklung der Ladeinfrastruktur durch eine Reihe von öffentlich-privaten Partnerschaften vorangetrieben. Belgien will 3-mal so viele öffentliche Ladestationen im Land installieren als momentan vorhanden. In den Niederlanden gibt es mittlerweile durchschnittlich 1,1 öffentliche Ladestationen pro 1.000 zugelassene Fahrzeuge, in Deutschland sind es 0,19 Stationen für die gleiche Anzahl. Beide Länder haben sich stark auf öffentlich-private Partnerschaften verlassen, um zum Aufbau einer dichteren und umfassenderen lokalen Ladeinfrastruktur beizutragen.

Europas Beziehung zu Elektrofahrzeugen

Während wir immer mehr über Elektroautos und die Vorteile des Umstiegs vom Verbrennungsmotor erfahren, wächst die Begeisterung für Elektroautos in ganz Europa. Außerdem wächst die Liste der verfügbaren Elektroautos von Jahr zu Jahr, wobei die Hersteller inzwischen von leistungsfähigen Stadt-Elektrofahrzeugen bis hin zu Elektrosportwagen alles produzieren. Mit dem steigenden Umweltbewusstsein von Verbrauchern, vielversprechenden neuen Automodellen sowie neuen Aufladungsmöglichkeiten, wird es für andere europäische Länder viel einfacher werden mit Norwegen aufzuschließen.

Der Reiz des elektrischen Fahrens

Im Endeffekt wird jedoch die effektive Förderung der Vorteile des elektrischen Fahrens darüber entscheiden, welche anderen europäischen Länder die Errungenschaften Norwegens erreichen. Investitionen in die Ladeinfrastruktur in Großstädten – wie es die Norweger in Oslo taten – sind zwar kostspielig, schaffen aber auch eine saubere städtische Umwelt, weniger Staus und ermöglichen die Anschaffung von Elektroautos für mehr Menschen. Die Regierungen müssen zudem weitere Anreize bieten – wie es die Norweger getan haben, indem sie Elektrofahrzeuge von der Gebührenerhebung ausgenommen und die Steuern gesenkt haben. Dies wird dazu beitragen, den Kauf von Elektrofahrzeugen zu fördern und die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern.

Für die übrigen europäischen Länder gibt es reichlich Gelegenheit, in Bezug auf den Besitz und die Nutzung von Elektrofahrzeugen mit Norwegen aufzuschließen. Angesichts der zunehmenden Vorteile von Elektrofahrzeugen, der zunehmenden Zugänglichkeit von Ladeinfrastrukturen und der steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen könnten wir bereits im nächsten Jahr eine weitere EU-Nation an der Spitze der Liste der Elektrofahrzeuge sehen.